Kontext und Aufgabe
Beginnen wir mit der Aufgabe.
Wir haben eine Roadmap für AdiGuide — eine mobile App mit der Funktion eines touristischen Audioguides. Falls es dich interessiert, findest du sie hier:
Im Q4 planen wir, uns nicht auf Features zu konzentrieren, sondern auf etwas anderes:
Medialität und Community.
Wir möchten eine Community von Reisenden rund um AdiGuid aufbauen:
— Geschichten von Nutzern
— Empfehlungen
— „Orte der Kraft“
— monatliche Routen
Identität in einer Community entsteht durch Selbstbestimmung.
In digitalen Produkten ist ihre erste Form meist der Avatar.
Aber es gibt einen Haken: Nicht jeder möchte ein eigenes Foto verwenden.
Und das ist völlig normal — besonders in einem Travel-Produkt, in dem sich nicht jeder zeigen möchte.
Deshalb haben wir uns entschieden:
einen eigenen Satz von Avataren innerhalb der App zu entwickeln.
Ähnliche Lösungen kennt ihr bereits aus Messengern und sozialen Netzwerken —
aber wir wollten einen Schritt weiter gehen.
Zu entscheiden, was genau diese Avatare sein sollen, war gar nicht so einfach.
Wir haben uns an drei Kriterien orientiert:
— Die Motive sollten universell sein und zu möglichst vielen Menschen passen;
— sie sollten verständlich und visuell angenehm sein;
— alle Avatare sollten sich wie Teil einer gemeinsamen Idee anfühlen.
Avatar und Verhalten
In der Psychologie der digitalen Identität gibt es das Konzept des Proteus-Effekts. Vereinfacht gesagt: Menschen verhalten sich entsprechend dem, wie ihr Avatar aussieht. Das ist keine Metapher, sondern ein beobachtbares Verhaltensmuster — das äußere Erscheinungsbild beeinflusst das Handeln.
Wählt man einen selbstbewussteren Avatar, tritt man auch sicherer auf.
Wählt man eine „sportlichere“ Version von sich, trifft man häufiger aktive Entscheidungen.
Wählt man etwas Neutrales oder Diffuses, wird auch das Verhalten weniger ausgeprägt.
Wenn Nutzer jedoch die volle visuelle Freiheit haben, versuchen sie fast nie, sich „wie sie sind“ abzubilden. Sie erstellen keine Kopie der Realität, sondern eine Version von sich, die sie sein möchten.
Ein Avatar ist also kein Spiegel.
Er ist eine Projektion von Intention.
Warum keine „Menschen“
Und genau hier beginnt das Problem mit „menschlichen“ Avataren.
Die erste Idee waren natürlich klassische Reisefiguren: Menschen mit Rucksäcken, in Jacken, mit verschiedenen Varianten von Aussehen. Klingt logisch und für ein Travel-Produkt sogar ziemlich naheliegend.
Aber als wir das auf reale Nutzer (und einfach auf Bekannte) projiziert haben, wurden schnell mehrere Probleme sichtbar.
Erstens erfordern solche Figuren zwangsläufig viele Details:
Hautfarbe, Gesichtszüge, Kleidungsstil, Alter und vieles mehr…
Und sobald man diese Parameter einführt, landet man automatisch in einer Vergleichslogik — und gleichzeitig steigen die Produktionskosten.
Deshalb haben wir die Idee mit „Menschen“ ziemlich schnell verworfen.
Und ehrlich gesagt hatten wir Glück, dass wir das verstanden haben, bevor wir angefangen haben, etwas zu designen.
Wie wir zu den Katzen gekommen sind
Wie wir zu den Katzen gekommen sind… oder eher: sie zu uns.
Irgendwann ist uns ein Post im Feed aufgefallen — irgendwas zum Thema Kochen, mit einer Katze in einer Schürze. Den ursprünglichen Post haben wir später nicht mehr gefunden, aber das Bild ist hängen geblieben.
Es wirkte nicht wie eine fertige Lösung. Eher wie eine seltsame, noch nicht ganz greifbare Idee.
Aber sie ist nicht verschwunden.
Wir sind in Gesprächen immer wieder darauf zurückgekommen, haben sie zur Seite gelegt und wieder hervorgeholt.
Irgendwann haben wir sogar versucht, sie rational zu verwerfen — es war nicht wirklich klar, wie das mit einem Travel-Produkt zusammenpasst.
Und trotzdem hatte man das Gefühl, dass da eine Logik dahintersteckt.
Sie war nur noch nicht formuliert.
Die Idee war einfach da — als wäre die Antwort schon irgendwo vorhanden, aber man konnte sie noch nicht klar aussprechen.
Hypothesen-Check
Irgendwann haben wir beschlossen, die Idee einfach auf Plausibilität zu prüfen.
Kurz gesagt, die Logik sah so aus.
Erstens: Katzen stehen für Bewegung.
Selbst Hauskatzen sind nicht auf „ihren Hof“ beschränkt und legen problemlos größere Distanzen zurück. Nicht nach Karte, sondern entlang ihrer eigenen Wege.
Zweitens: Katzen gibt es fast überall.
Praktisch auf allen Kontinenten außer :contentReference[oaicite:0]{index=0} — aber dorthin zieht es, ehrlich gesagt, auch Menschen eher selten.
Und drittens — das einfachste Argument:
Katzen mag man.
Es ist ein universell verständliches Bild, das keine Erklärung braucht und keine Ablehnung auslöst.
Irgendwann wurde klar: Das reicht bereits.
Das erste Set
Okay, wir ziehen die Katze nicht länger am Schwanz
wir halten euch nicht länger auf die Folter.
Hier ist unser erstes Set an Katzen. Lernt sie kennen — von links nach rechts:
Fazit
Wenn unter ihnen „der eine“ dabei ist — dann war es das wert. Das war das Team von AdiGuide. Bis bald — wir hören uns!